Innenansichten einer Katze

1. EINGESCHLOSSEN - FLUCHTSTRATEGIEN

Zahllose Menschen verwechseln uns Katzen mit knuddeligen Stofftieren und erlauben es sich, uns in ihren widerwärtigen, winzigen Wohnungen zu ihrer Verfügung gefangen zu halten. Dabei ignorieren sie den uns Katzen angeboren Freiheitsdrang und übersehen meist, dass wir ihnen auch intellektuell weit überlegen sind.
Denn nur geistig völlig degenerierte Katzen lassen sich von Zweibeinern auf Dauer einsperren. Jede halbwegs agile Katze macht über kurz oder lang die Biege, es finden sich immer Mittel und Wege, das Gefängnis zu knacken, z.B.:

Die Zwischen-den-Beinen-Durchhusch-Technik

Man nähert sich dem Menschen schon an der Tür in scheinbar zärtlicher Absicht mit aufgestelltem Schwanz und vor Behagen schnurrend. Von wegen Behagen - wenn der miese Unterdrücker sich bückt, um gönnerhaft »Streicheleinheiten« auszuteilen, huscht die erfahrene Hauskatze wie ein geölter Kugelblitz zwischen seinen Beinen hindurch in die Freiheit.
Einmal draußen, überlegt sich die lebenskluge Katze besser, ob sie überhaupt noch einmal zu dem widerwärtigen Sklavenhalter zurückkehrt oder sich nicht besser eine andere Bleibe sucht.

Der kleine Brand im Badezimmer

Das Katzen im Umgang mit Streichhölzern und Feuerzeugen nicht eben geschickt sind, weiß jedermann. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht in der Lage sind, mit Hilfe höherer Technologie die abgefahrene Hütte ihres Unterdrückers in Flammen aufgehen zu lassen. So mancher mittels Katzenhaaren und statischer Elektrizität kurzgeschlossener Fön hat schon diese Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der Katze erledigt.
Schlau, wie Katzen sind, entkommen sie spätestens, wenn die Feuerwehr die Wohnungstür oder die Fensterscheiben einschlägt.

Die Endlos-Klage

Um aus der Gefangenschaft zu entkommen, ist jedes Mittel recht und billig. Die eingesperrte Katze maunzt und jammert so laut und zum Steinerweichen, bis die genervten Nachbarn glauben, ihr Besitzer misshandele sie auf unmenschliche Weise, und den Tierschutzverein, die Feuerwehr und den Katastrophenschutz anrufen.

2. UND TROTZDEM! - DER KASTRIERTE KATER

Menschen sind kleinlich und rachsüchtig. Kaum spritzt Beppo auf dem Höhepunkt seiner sexuellen Schaffenskraft, mal ein bisschen Urin auf den echten Perserteppich, die Polstergarnitur und die neuen italienischen Lackschuhe seines Zweibeiners, wird er gleich zum Tierarzt gezerrt und kastriert.
Wo bleibt denn da die Toleranz gegenüber Andersriechenden und ein bisschen Verständnis für Lust und Liebe eines Hausgefährten? Wir Katzen schneiden den Männern ja auch nicht gleich die Eier ab, wenn Sie im Liebesrausch mit Aftershave oder sonstigen fragwürdigen Essenzen herum sprühen oder schon von Natur aus wie die Marder riechen. Auch den natürlichen Kampftrieb nehmen die Menschen den Katern übel - dabei greifen sie selbst zu den härtesten Manschetten, wenn sie ihr Revier in Gefahr glauben.
Mit einem haben die menschlichen Folterknechte aber nicht gerechnet: die Kastration ist nämlich in mancher Hinsicht für die Katz'. Zwar vergeht uns die Lust, lustig alles voll zu spritzen, aber die wilden Revierkämpfe geben auch kastrierte Kater nicht auf. Jetzt erst recht!
Da fliegen die Fellfetzen, denn was haben wir armen, verschnittenen Kater denn noch an Männlichkeit, wenn nicht die ritterliche Kampfeskunst?
Auch unsere nächtlichen Liebesgesänge setzen wir fort - mit ein wenig mehr Schmelz, Einfühlungsvermögen und einer Spur Trauer, und bei weitem ausdauernder als vorher. Ätsch! Und dazu auch noch die teuere Tierarztrechnung!

3. PINKELN -AUSDRUCK KATERHAFTER LUST

Ja, auch das voran gegangene Kapitel handelt vom Pinkeln - bzw. vom Nicht-Pinkeln, weil die Menschen den Katern dieses ebenso simple wie großartige Vergnügen nicht gönnen wollen. Hier soll es um die ungehinderte Ausübung der Katerlust, um den Rausch der pulsierenden wilden Natur gehen.
Um es einmal klar zu sagen: Niemand kann einem echten Kater das Wasser reichen, was das Pinkeln angeht.
Menschen und Hunde schon gar nicht. Menschen pullern meist heimlich - irgendwo versteckt in kleinen, zellenartigen Verliesen.
Sie haben allen Grund dazu, denn verglichen mit Katzenurin ist der schlaffe gelbe Menschensaft ein lahmes Wässerchen. Nur wenn menschliche Männchen betrunken sind, kehren sie den wilden Imponierpisser heraus und strullen immer und überall hin.
Hundemännchen machen zwar ein wahnsinniges Trara um ihre Pinkelei, rennen wie von der Tarantel gestochen umher, heben Beine und Köpfe, scharren wie ein dummes Huhn und geben damit an, dass sie immer und überall pinkeln können, bis dann das letzte Tröpfchen aus dem Hähnchen tropft. Das war's dann. Geruchlich bleibt absolut nichts zurück - verglichen mit dem kraftvollen Sekret eines liebestollen Katers.
Katerpisse verschlägt Lebewesen anderer Arten die Sprache, raubt Mensch und Tier den Atem. Katerpisse enthält für die lesegeübte Katze mehr Informationen als die Tageszeitung für den Menschen. Katerpisse zersetzt Edelstahl und Hartholz, frisst Löcher in Beton und bringt Baum und Strauch zum Absterben. Katerpisse steckt voller Kraft wie bleifreies Super, und es grenzt an ein Wunder, dass dieser Saft nicht auch noch hochexplosiv ausgefallen ist.
Katerpisse ist der Lebenssaft an sich - jedenfalls für uns Katzen.
Und wer kann schon pinkeln wie ein Kater? Gekonnt richtet er den Hinterleib auf, spritzt treffsicher meterweit gegen Holz, Strauch, Stein oder Stahl in die feindliche Welt hinaus, zittert dabei gekonnt mit dem Schwanz, parfümiert sich den Schnurrbart mit dem goldenen Saft seiner Manneskraft und geht mit stolzgeschwellter Brust davon. Das hat Stil. Basta.

4. FRESSEN UND SEX

Bei Menschen sind es Austern, Nudelgerichte mit viel Knoblauch oder Selleriesalat, die erotisch stimulieren. Keine zehn Minuten nach dem Verzehr dieser eigentümlichen Nahrungsmittel hüpfen Zweibeiner miteinander in die Tonne - unverständlich für uns Katzen. Doch es gibt auch Nahrungs- und Genußmittel, die uns Katzen zu erotischer Aktivität anregen.
Es ist nicht das Essen an sich, das sexuell stimuliert. Manche Speise verursacht eher das Gegenteil. Ratten, Singvögel und junge Kaninchen liegen zu schwer im Magen und erfordern einen so hohen Energieaufwand bei der Verdauung, dass Katze und Kater erst einmal zwei, drei Stündchen im Schlafe verbringen müssen. Es sind die leichten Genüsse, die uns Katzen in Schwung bringen.

Stimulans Nr. 1: Baldrian

Geradezu ätherisch und zugleich himmlisch beflügelnd für uns Katzen sind die Düfte der Baldrian-Pflanze. Es soll Kater gegeben haben, die sich vor der Baldrian-Schublade der Dorfapotheke lustvoll um Kopf und Kragen gejammert haben. Es sei also zugleich davor gewarnt: Baldrian ist so ziemlich die einzige Droge, von der Katzen abhängig werden können. Also: Besser die Pfoten weg!

Stimulans Nr. 2: Fisch

Fisch stellt die Liebesnahrung an sich dar. Leicht und bekömmlich motiviert er Katze und Kater zu tolldreistem Liebesspiel. Einzig problematisch: So bekömmlich Fisch ist, so schwer erhältlich ist er für Katzen. Selbst gefangene Fluss- oder Teichfische sind heutzutage hochgradig schadstoffbelastet und ausgesprochen ungesund. Überlassen Sie das Angeln im Fluss lieber den Menschen!
Auf Katzen, die Fischgeschäfte betreten, reagieren Menschen äußerst sauer. Der Grund liegt darin, dass die Menschen von der Manie befallen sind, ihren gesamten Fischvorrat unbedingt für sich allein zu behalten. Die geschickte Katze bringt es aber immer zu Wege, dass der Fisch verkaufende Mensch mit einer leckeren Scholle oder einem Rotbarsch nach ihr wirft.
In menschlichen Vorratsräumen lagert Fisch meist in festen, äußerst katzenfeindlichen Gefäßen, die allein mit Pfoten oder Krallen nicht aufzubringen sind. Hier hilft allerdings ein Kursus der Katzenvolkshochschule, in dem die Katze von Welt auch diese Hürden zu nehmen lernt.

Stimulans Nr. 3: Mäuse

Diese lustigen kleinen Nagetiere stimulieren nicht nur ungemein, sondern halten zudem durch ihr anregendes und anspruchsvolles Jagdverhalten Katze und Kater für einen sportlichen Geschlechtsakt fit. Nur dummbeutelige Dorfkater rotten die Bestände in der Nähe ihrer Behausung durch übermäßige Jagd aus. Die echte Katze mit Lebensart achtet immer darauf, dass ausreichend Mäuse vorhanden sind. Unter Umständen wäre die Einrichtung einer kleinen Zucht in der Speisekammer der Menschen erwägenswert, in der sie Mäuse einer besonders schmackhaften Edelsorte heranziehen können. Ihre potentiellen Liebespartner sind dann durch eine Einladung zu einem erlesenen Essen schwer zu beeindrucken.

5. KATZEN SIND LEIDENSCHAFTLICH

Die Geschichte von der Katze, die sich aus Liebe zu einem jungen Mann von der Liebesgöttin Venus in eine junge Frau verwandeln ließ, kennen Sie vielleicht. Nicht?
Also, das war so: Eine Katze ließ sich aus Liebe zu einem jungen Mann von der Liebesgöttin Venus in eine junge Frau verwandeln. Alles klappte bestens, die Metamorphose verlief glänzend, und alle Beteiligten waren zufrieden. Bis auf Venus, die, wie man weiß, etwas voyeuristisch veranlagt ist. Statt das junge Paar im Liebesrausch sich selbst zu überlassen, musste sie durch den Türspalt linsen. Und außerdem juckte es sie noch in den Fingern, merkwürdige Tierversuche anzustellen: Sie ließ eine gewöhnliche Hausmaus (mus domestica) ins Liebesgemach huschen. Und wenn man der Überlieferung glauben schenken soll, ließ die Ex-Katze ihren menschlichen Geliebten im Zustand höchster Erregung zurück, um die Maus zu fangen und tot zu beißen. Venus griente sich eins und erfand das ebenso einprägsame wie falsche Sprichwort: Die Katze läßt das Mausen nicht.
Wir Katzen schenken so einer Überlieferung nicht einen Funken an Glauben. Ob in menschlicher Hülle oder im Naturzustand - die Katzen möchten wir sehen, die beim Liebesakt den Partner fahren lassen, um eine Maus zu fangen. Dazu sind Katzen viel zu leidenschaftlich. Was glauben denn Sie, wie da die Post abgeht, wenn Katze und Kater zur Sache kommen? Oder mal anders - in einem einfachen, auch für Menschen verständlichen Bild:
Würden Sie von ihrer Liebsten/Ihrem Liebsten lassen, wenn Ihnen jemand eine Currywurst mit Fritten und ein Glas Bier ans Liebeslager stellt? So etwas hebt man sich doch für später auf...

6. VOM TIEFSTEN KELLER BIS ZUM DACHFIRST - SEXSPIELE ÜBERALL

Im Gegensatz zu Katzen sind menschliche Liebhaber reine Stümper und fantasielose Langweiler. Stellen wir doch nur einmal die Frage nach dem Ort:
Wo, lieber menschlicher Sex-Dilettant, haben Sie es schon einmal getrieben?
Im Bett, klar.
Auf der Parkbank, na ja.
Unter den Büschen im Park. Mmmh.
Im Hausflur, damals, als keiner sturmfreie Bude hatte. Toll war's ja nicht.
ImAuto. Womöglich sogar im Autokino. Geschenkt.
Aber unter dem Auto?Auf dem Dachboden? Oben auf dem First? Freischwebend auf dem höchsten Giebelbalken? Auf einem Stahlträger der Kanalbrücke um Mitternacht? Am hellen Nachmittag in aller Öffentlichkeit mitten auf der großen Wiese im Stadtpark? Im tiefsten Keller, zwischen Weinflaschen und Eingemachtem? In einem duftenden Heuhaufen? Im Garten nachts um halb drei auf dem blühenden Kirschbaum, mitten zwischen zartrosa Blüten? Hinter dem Beichtstuhl in der Kapelle? Im Morgengrauen mitten auf einer Grossstadtkreuzung?
Alles Fehlanzeige, wie? Eben, Menschen sind, sexuell gesehen, fantasielose Langweiler.
Kater denken - wie könnte es anders sein - immer nur an das Eine. Dass sie sich dabei nicht darauf beschränken, an das alltägliche Einerlei zu denken, liegt auf der Pfote. In ihrer überhitzten Fantasie halluzinieren geile Kater sexuelle Traumwesen und Wahngebilde der Lust, mit ihrer ausufernden, künstlerischen Vorstellungskraft spinnen sie sich hinein in ein Reich der Lüste, das sie sexuell zu absoluter Hochform auflaufen läßt, wovon nachher natürlich die alltäglichen Katzen profitieren.
Vor einer Gefahr möchte ich Sie, liebe Mitkatze, allerdings noch warnen: Dieser Bericht wurde von einem männlichen Menschen illustriert. Es liegt also nahe, dass sich einige menschlich-sexuelle Einflüsse unter die Katerbilder gemischt haben.

7. GUT GESCHNURRT IST HALB BESTIEGEN - STRATEGIEN FÜR DEN KATERMACHO DER GROSSSTADT

Das war einmal so - früher. Denn früher war das Katerleben noch einfach. Ständig stolperte man(n) über rollige Katzen, wenn es an der Zeit war, jederzeit bot sich Gelegenheit zu sportlichen Katerkämpfen vor weiblichem Publikum, und jeder halbwegs stattliche Kater bumste sich die Seele aus dem Leib. Das ist nun vorbei.
Zum einen sitzen gerade Stadtmenschen dem Irrtum auf, es gäbe genug Katzen. Wir Kater meinen: Es kann nie genug Katzen geben! Zum anderen werden in der Stadt immer mehr potentielle Liebespartnerinnen in Einzelhaft gehalten und für den wilden Kater unerreichbar gemacht.
Dieser unseligen Entwicklung stehen Kater aber nicht hilflos gegenüber. Man lernt, passt sich an die Verhältnisse an, und schließlich klappt es wieder. Hier ein paar wichtige strategische Winkelzüge für den Kater unserer Tage:

Lernen Sie, einen Aufzug zu bedienen!
Viele Liebesakte scheitern an den kräftezehrenden Treppen in Hochhäusern. Wenn der Kater nach mehrtägiger Wanderung endlich oben im 243. Stockwerk ankommt, ist er zu abgeschlafft, um noch in die Wohnung seiner Angebeteten zu huschen, geschweige denn sie auch noch zu besteigen. Der erfahrene Stadtkater unserer Tage hat sich deshalb längst den aufrechten Gang, einen unauffällig-menschlichen Blick und die Fähigkeit angeeignet, einen Fahrstuhl zu bedienen.

Üben Sie sich im Umgang mit einem Glasschneider!

Für sportliche Kater sollte es ein Kinderspiel sein, an der Außenseite eines Gebäudes empor zu klimmen und so ihre eingeschlossene Prinzessin über die Fassade zu erreichen. Leider endet dieser Weg mit platonischen Szenen am Fenster oder auf dem Balkon, wenn der Kater nicht vorausschauend einen Glasschneider mitgebracht hat und so seine Angebetete befreien kann.

Wählen Sie neue Wege der Annäherung!

Warum sich die eigenen Pfoten abwetzen, wenn man(n) sich doch auch bequem ins Haus liefern lassen kann? Der lebenslustige Kater unserer Tage tarnt sich als Paket, adressiert und frankiert sich richtig und läßt sich von der Bundespost, United Pussies oder dem Hermes-Versand ins Haus liefern. Könner dieser Variante bringen noch Großartigeres: Sie lassen sich bereits als Pizza frei Haus liefern oder schleichen sich als Klempner oder Stromableser ins Paradies der Katerträume.

Täuschen Sie vor, ein Rassekater zu sein!

Schon zwei-, dreihundert Umdrehungen im Schleudergang der Waschmaschine und ein anschließender Aufenthalt im Wäschetrockner lassen aus dem gewöhnlichen Feld-, Wald- und Straßenkater ein Pelzbündel werden, das einem echtem, mehrfach prämierten Perserkater nicht unähnlich sieht. Eine ganze Welt neuer Möglichkeiten tut sich auf! Tausende von Rassekatzen warten nur auf Sie!

8. WOZU BRAUCHT DER MENSCH DIE KATZE?

Es war nicht immer so, dass wir Katzen unter den Launen der merkwürdigen Zweibeiner, die sich Menschen nennen, zu leiden hatten. Es gab Zeiten und Verhältnisse, in denen wir Katzen hohes Ansehen genossen.
Im alten Ägypten wurde die katzenköpfige Göttin Bast angebetet. Das hatte Folgen für den alltäglichen Umgang mit uns Katzen: Es wurde zum Beispiel kurzerhand hingerichtet, wer eine Katze überfuhr. Brannte es, musste zuerst die Katze in Sicherheit gebracht werden, erst dann durfte sich ihr menschlicher Sklave um seinen ohnehin überflüssigen Hausrat kümmern. Verstorbene Katzen wurden einbalsamiert und parfümiert und auf dem prächtigen Katzenfriedhof von Bubastis beigesetzt. Und ihr menschlicher Halter musste sich zum Zeichen der Trauer die Augenbrauen abrasieren. Anderenorts war es verboten, schlafende Katzen zu wecken. Das waren noch Zeiten! Ein wahres Katzenparadies! Seit etlichen Jahrhunderten aber sind die Sitten völlig verwildert:
Die Zweibeiner brauchen Katzen nicht mehr - sie missbrauchen sie. Meist als Fussabtreter. Oder bestenfalls als emotionales Trostpflaster. Die Geschichte mit dem Fußabtreter hat Tradition - in Sachen Glauben (=Aberglauben) zum Beispiel:
Man glaubte, der Teufel erschiene als Katze mit leuchtenden Augen (wo doch jedes Kind weiß, dass Satan mit Vorliebe als Politiker auftritt), schnitt uns Kreuze ins Fell, um uns Dämonen und Hexen auszutreiben (die es ja bekannter Weise vorziehen, Menschen zu befallen). Man verbreitete das Gerücht, Hexen ritten auf Katzen (wo doch jede vernünftige Hexe ihren Besen oder ihr Fahrrad vorzieht!). Und man fantasierte sich zurecht, der Atem einer schwarzen Katze mit weißem Fleck sei für Wickelkinder gefährlich (für die Vatis Schnapsfahne weitaus unangenehmer sein dürfte).
Und damit nicht genug: Als im 12. Jahrhundert die Katharer (griech: »die Reinen«, überhaupt nicht überheblich, wie?), irgendwelche ausgeflippten Jungchristen, ihre Sekte über ganz Europa verbreiteten, zogen sie sich den Neid der Konkurrenz (sprich: die Heilige Katholische Kirche) zu und brachten damit uns Katzen gleich mit in Misskredit: Sie hießen Katharer, desinformierte ein Bischof seine staunenden Untertanen, weil sie dem Kater (der Teufel auf Erden) den Hintern zu küssen pflegten. Zack, wurden aus den Katharern die Chätzer und bald darauf die Ketzer. Womit wir Katzen den Ärger am Hals hatten, denn nun begann man, auch uns Katzen bei jeder Gelegenheit auf Scheiterhaufen zu rösten - mit den Ketzern gemeinsam. Auf die Verbindung Katholisch/Katze kam seltsamerweise niemand.
Die Spur des Aberglaubens reicht bis zum heutigen Tag - von wegen Aufklärung! Unsereins braucht nur schwarz zu sein und von links nach rechts über die Straße zu laufen, und schon glauben die behämmerten Zweibeiner, ihnen stünde Unglück ins Haus.
Unterdessen pflegen die Menschen in unseren Breiten einander nicht mehr (oder zumindest seltener) aus religiösen Gründen zu grillen - für uns Katzen bedeutet dies allerdings noch immer nicht, dass bessere Zeiten angebrochen seien. Wir leiden als Versuchstiere für Kontaktlinsen, Antibabypillen und Schlimmeres oder dienen zumindest als puschelweicher Freudenspender für gestresste, vom Berufsalltag ausgelaugte und vom Leben enttäuschte Lehrerinnen, Steuerbeamte, Börsenmakler und sonstige Berufssparten. Eigentlich sind alle Zweibeiner gestresst, vom Berufsalltag ausgelaugt und vom Leben enttäuscht. Wir Katzen haben in öden Vorstadtsiedlungen acht bis zehn Stunden zu warten, bis der gestresste, vom Berufsalltag ausgelaugte und vom Leben enttäuschte Mensch nach Hause kommt, in einem seiner widerwärtigen Hautkontaktanfälle über uns herfällt und uns fast das Fell vom Leib streichelt und die Seele aus dem Leib quetscht. Es muss eine an Sucht grenzende Manie von Menschen sein, nach Ablauf eines Arbeitstages erst einmal eine Katze in Grund und Boden zu puscheln.
»Ach, Maunz, du bist die einzige, die mich versteht!« trieft es dann voller Selbstmitleid, wovon wir Katzen allerdings gar nichts haben. Aber so sind Zweibeiner nun einmal: emotionale Wracks und zu nichts zu gebrauchen.
Ach doch, ja, zu niedrigen Arbeiten lassen sie sich ganz gut heranziehen.

9. WOZU BRAUCHT DIE KATZE DEN MENSCHEN?

Alle Zweibeiner sind gleich - gleich langweilig. So langweilig, dass es sich nicht einmal lohnt, ihnen einen Namen zu geben. Ehrentitel wie das hündische »Herrchen« und »Frauchen« kommen für uns selbständige Katzen schon gar nicht in Frage.
Menschen sind für uns Katzen relativ überflüssig. Besonders in sexueller Hinsicht scheinen Zweibeiner für Katzen und Kater entbehrlich zu sein - wohingegen ihnen in Ernährungsfragen und in den alltäglichen Dingen des gemütlichen Katzenheimes einige äußerst praktische Seiten abzugewinnen sind.
Wozu zum Beispiel sich die Pfoten abwetzen, um wieselflinke Mäuse zu fangen? Sich die Lunge aus dem Hals hetzen, um flatterhafte Singvögel oder widerspenstige Jungkaninchen abzumurksen? Ein, zwei Mal kläglich gemaunzt, und der Mensch schleppt relativ schmackhaftes Dosenfutter an. Wenn nicht, einfach weiter maunzen! Sollte die Sorte zu billig oder aus sonstigen Gründen nicht genehm sein, pflegt die Katze von Welt es mit gelangweiltem Blick zu ignorieren. Prompt rennt der Mensch zum Supermarkt und besorgt alternative Marken. Alles in allem sind Menschen also praktische Futterbeschaffungsautomaten.
Wozu in freier Wildbahn bei Wind und Wetter in feuchten Erdhöhlen oder unter undichten Laubdächern einen Unterschlupf suchen? Wozu im eiskalten Nieselregen oder gar im Schneesturm hocken und sich den Schwanz abfrieren, beherrschen doch die Menschen den Bau wasserdichter, geheizter Katzenheime ziemlich gut. Lästig ist eigentlich nur, dass sie selbst darauf bestehen, in Untermiete zu wohnen. Wozu den schlaffen Body durch die Gegend schleppen, um den Darm zu entleeren? Ein, zwei Mal auf den Teppich geschissen, und schon springt der Mensch im Dreieck und schleift irgendeine Holzkiste voller Sägemehl an, die für derartige Geschäfte glänzend geeignet ist. Und das Tollste: alle zwei, drei Tage trägt der Mensch den Mist auf den Müll - menschengestützte Entsorgung perfekt sozusagen. Vergisst der zuständige Mensch allerdings, die Kiste zu säubern, und stinkt die Angelegenheit uns Reinlichkeit liebenden Katzen zum Himmel, wird einfach wieder ein, zwei Mal kräftig auf den Teppich geschissen.

10. DIE KATZE - EIN HAUSTIER?

Die Einordnung unserer Spezies (wissenschaftlich: Felis vulgaris) als Haustier ist äußerst fragwürdig - sehen Sie sich doch nur einmal das Umfeld an: die dumpfmütterlich-blöde Kuh, das bescheuerte Schaf, der kriecherische Hund, der dämlich kreischende Kanarienvogel, das flatterhafte Huhn, der ebenso wohlschmeckende wie überflüssige Wellensittich und das ebenfalls ungemein schmackhafte, aber strohdumme Meerschweinchen...
Was haben all diese Zombies in Fell und Feder mit uns eleganten, intelligenten, geradezu übersinnlich begabten Katzen zu tun? Nein, wir Katzen sind in unseren Herzen immer noch das wilde, ungezügelte Raubtier, in jeder von uns schlummern Wildkatze, Tiger, Löwe, Leopard, Jaguar und Luchs. Da können sie sicher sein. Sie schlafen allerdings so tief, dass es nicht ganz einfach sein dürfte, sie zu wecken. Und wir Katzen überlegen auch unentwegt, ob wir sie wecken sollten.'
In sexueller Hinsicht allerdings ist auch bei uns Hauskatzen nie etwas eingeschlafen.

11.KATZE UND SELBSTENTFALTUNG - EIN PROGRAMM ZUR SEXUELLEN EMANZIPATION

Wie der Mensch seine eigene Sexualität unterdrückt, so versucht er auch die »seiner« Katze zu ignorieren. Nicht genug damit, dass er fleißig drauflos sterilisiert und -kastriert. Wenn er sich, weiß der Himmel, warum, einmal dazu durchringt, von diesen Teufelsoperationen Abstand zu nehmen, findet er andere Mittel und Wege, seine Katze oder seinen Kater von den Freuden der Liebeslust abzuhalten. Kaum bemerkt der zugehörige Mensch z.B., dass seine Katze rollig ist, da mischt er ihr schon seltsame Medikamente und Chemie-Hämmer in Pastenform unter das Futter, das ohnehin in vielen Fällen alles andere als delikat mundet.
Wenn die Katze ihren Fehler bemerkt, hat sie den Pharma-Salat schon hinunter geschlungen, kriegt Sodbrennen, und die eben aufkeimende Liebeslust geht ein wie eine Primel in der Mikrowelle.
Wieder andere Zweibeiner halten ihr sexualisiertes Katzentier gefangen und wachen mit Argusaugen darüber, dass ihr ja kein Partner anderen Geschlechts zu nahe kommt. Schleicht sich doch ein liebestoller Gefährte an, wird dieser mit Schrubber, Gartenschlauch oder gar der chemischen Keule vertrieben.
Was wäre, wenn wir Katzen uns das menschlichen Lustpartnern gegenüber herausnehmen würden?
Schlimmer noch:
So mancher Mensch reagiert auf sexuelle Gelüste seiner Katze/seines Katers mit einem Hygienefimmel, weil er überall am Astralleib seines Haustiers sexuell motivierte Körperausscheidungen und Geruchsquellen vermutet. So greift er völlig rücksichtslos zu den härtesten Gegenmaßnahmen und badet seine Katze dreimal am Tag in Rosenöl-Shampoo oder Tamarindenessenz. Was das für eine Katze auf Freiersfüßen bedeutet, macht sich kaum ein Mensch klar. Ein nach Rosen duftender Kater ist zum Beispiel als Kampfgefährte auf der Liebesmeile völlig untendurch. Jedoch wird auch der Mensch erheblich derangiert sein, wenn er es tatsächlich schafft, seine Katze oder seinen Kater so häufig der Folter mit Wasser, Schwamm und Stinkeseife zu unterziehen. Dass sie durch diese unklugen Verhaltensweisen ihre Katzen zur Streunerei oder gar zur offenen Rebellion anstacheln, ist den meisten Menschen überhaupt nicht klar.
Mit Sicherheit hilfreich gegen menschliche Restriktionen sind die folgenden sechs Grundregeln emanzipatorisehen Katzen- Verhaltens:
1. Meide Menschen wie die Pest, wenn du rollig bist!
2. Gehe nie nach Hause, solange du den Ruf der Liebeslust hörst, es sei denn mitten in der Nacht, wenn alle Zweibeiner vor dem Fernseher oder in ihrer Federkiste eingepennt sind.
3. Kater: Friss in der Phase der Lust nie etwas aus Menschenhand! Alles könnte mit Schlappofix oder Hängolin Forte vergiftet sein! Eine gesunde Singvogel- oder Mäusediät erhält dir die Liebeslust und Potenz.
4. Katze: Treibe es lieber drei Mal zu viel als ein Mal zu wenig! Wer weiß, wie schnell du Menschen in die Hände fällst! Der Erhalt der Art muss unter allen Umständen gesichert sein!
5. Schere dich nicht um menschliche Moralvorstellungen! Wenn die nur bei Nacht und Nebel und nach tausend strohdummen Ritualen zur Sache kommen können, ist das ihr eigenes Pech!
6. Sei stolz auf deine Liebe! Lebe wild und ohne Hemmungen, schrei deine Lust in die Nacht hinaus und verteidige sie mit Zähnen und Krallen! Die Menschen sind schließlich selbst schuld, wenn sie so verklemmt sind.

11. DIE KATZE - DAS SCHMUSETIER?

Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat - meinte Victor Hugo.
Er wird sich in Fragen der menschlichen Wesensart hoffentlich besser ausgekannt haben. Oder glauben Sie allen Ernstes derartigen Irrungen des homozentrischen Weltbildes?
Wie falsch der Philosoph und Dichter gelegen hat, ist jedem klar, den einmal eine missgelaunte Katze bei Annäherungsversuchen in die Mangel genommen hat. Er trägt Kratzer davon, die tief hinab reichen bis ins überhebliche Ego. Wenn Katzen schmusen, dann freiwillig - und nicht, weil irgendein Menschengott es so will. Am liebsten tauschen Katzen übrigens Zärtlichkeiten mit anderen Katzen aus und nicht mit stoppelbärtigen Menschenmännern oder tödlich kosmetisch duftenden Menschenfrauen. Anders als die tapsigen und überaus ungeschickten Zweibeiner verstehen Katzen und Kater nämlich die Kunst der ästhetisch überhöhten, sanften Berührung.

12. DAS KATZENKLO - ORT DER UNTERDRÜCKUNG

Das Katzen von Natur aus keine Schmierfinken sind, hat auch der geistig etwas schwache Mensch erkannt. Er macht es sich zu Nutze, um Katzen in bereits beschriebener Weise in Gefangenschaft zu halten und zu unterdrücken.
Welches andere Tier ließe sich frei in der menschlichen Wohnung halten? Kaninchen hinterlassen anregende Köttelmuster auf der Auslegeware, Vögel dekorieren Möbel und Hausrat von oben herab und selbst die nächsten Verwandten des Menschen, die halbwegs intelligenten Affen, wären kaum in der Lage, ein so schadstoffarmes Leben zu führen wie die Katze.
»Hach, sie ist ja so reinlich!« freut sich der Mensch -wenn er selbst es nur auch wäre! Statt - wie es sich gehörte - die Stätte der Notdurft täglich zu reinigen, vergisst der Mensch nur zu gern seine Pflichten, treibt sich mit seinesgleichen an katzenfeindlichen Orten herum oder starrt tagelang in die Illusionskiste. Schließlich sieht das Katzenklo so aus (und es riecht auch so), dass die Katze es nur noch in Gummistiefeln und mit einer Gasmaske benutzen kann.
Was veranstaltet der Mensch aber für einen Zirkus, wenn die Katze in ihrer Not zu Protestmaßnahmen greift und ihm in die Schuhe oder in die Blumentöpfe auf dem Wohnzimmerfenster scheisst? Soll er doch seinen Pflichten nachkommen - dann sind derart drastische Massnahmen nicht nötig.

13. WILD ODER SANFT - WIE KATZEN IHREN KATER MÖGEN

Weibliche Katzen sind eigen. Sie haben sich ihren Blick für die wesentlichen Dinge des Lebens bewahrt. Zum Beispiel für Kater. Die Prachtexemplare, welche Menschen für vermehrungswürdig halten, sehen Katzen in anderem Licht: Oft sind diese Lieblinge ihres menschlichen Halters nichts weiter als verweichlichte, aufgeblasene Windbeutel. Auch Kraftmeier und Berufsschläger unter den Katern haben es nicht immer leicht, eine Katze zu finden. Während zwei Kater dieser unangenehmen Sorte die wilden Macker markieren und sich gegenseitig die Haare aus dem Pelz fetzen, findet die Katze, um die es geht, ihren Traumkater. Der sitzt, überlegen lächelnd, am Rand des Kampfplatzes und schaut den beiden Kontrahenten amüsiert zu.
Nein, es geht den weiblichen Katzen wirklich nicht um Aussehen und Kraft. Intelligenz, Einfallsreichtum, Lebenserfahrung und der gewisse Pfiff sind es, die sie völlig scharf auf einen Kater machen. Haben sie sich einmal für einen Kater entschieden, mögen Katzen es gern wild. Der Kater soll möglichst schon einige Lebenserfahrung in Form von Schrammen, Macken und Narben vorweisen können, und er soll vor lauter Lust unruhig umher rennen, die halbe Stadt mit Katzenurin parfümieren, laut jammern und klagen oder sich gar den Penis (mit den interessanten Widerhaken) lecken - mehr braucht es nicht. Kurz: ein echter Kater muss auf 180 sein.
Wenn es zur Sache geht, lieben Katzen seinen Biss ins Nackenfell, sein wildes Knurren und Gurren und belohnen ihn mit einem wilden Schrei der Lust.
Wild geht es auch nachher zu - eine echte Katze faucht ihren Liebhaber an und schlägt mit der Tatze nach ihm. Nur Anfänger unter den Katern lassen sich allerdings erwischen - der Könner springt mit elegantem Satz davon.
Auf und davon - so sind sie, die Kater. Keine zwei Minuten dauert der Rausch der Leidenschaft - das geht wie's Katzenmachen.
Aber genau so mögen es die Katzen.

14. KATER-BILDER: FELIX, HEATHCLIFF, FRITZ THE CAT

Es gibt zahlreiche Rollenvorstellungen des Katers, die aber von uns sexuell emanzipierten Katzen zum größten Teil als zweifelhaft angesehen werden müssen. So ist Felix zum Beispiel, sexuell betrachtet, ein völlig abgeschlaffter Penner. Heathcliff, ein Kater neuerer Zeit, scheint in der homoerotischen Phase der Pubertät stecken geblieben zu sein, denn sonst würde er nicht mit seiner Straßengang herumziehen und seine sexuellen Energien beim Wettonanieren verpulvern. Klar auch, dass Walt Disneys Katzenbild verzerrt ist: Hier Kater Carlo - überfüttert und verfettet, völlig neurotisch, und seine Triebe kennen nur das Ventil Kriminalität - dort die »Aristocats«, dekadenter Adel und dennoch im überkommenen Lebensentwurf der spießigen Kleinfamilie gefangen.'
Noch ein Versager: Fat Freddy's Cat.
Dieser merkwürdige Geselle kompensiert seine unterdrückte Sexualität durch einen sinnlosen Kleinkrieg gegen harmlose Küchenschaben und durch fortwährendes übermäßiges Fressen.
Einzig vollwertiges Katerbild in der gezeichneten Literatur: Fritz the Cat.
Sein Liebesleben entspricht dem eines erwachsenen Katers.

15. DER PERVERSE KATER

Oft ist es der Mensch, der den sexuell erregten Kater durch nicht artgemäße Haltung in der Wohnung zwingt, sich Liebespartner anderer Arten oder gar der unbelebten Natur zu suchen. So manches Kaninchen und mancher junge Hund gerieten so unter einen liebestollen Kater. Immer wieder soll es auch zu Attacken auf Kuscheltiere kommen.
Aber nicht immer zwingen Menschen Kater zu derartigen Ausschweifungen. Manche Tiere kommen von sich aus - sozusagen aus 'Spaß an der Freud' - auf die ungewöhnlichsten Variationen. Es gibt Kater, denen ihr natürliches Gegenüber, die Katze, in keiner Weise ausreichende Befriedigung bietet. Werfen wir einen Blick in diese Abgründe überbordender Sexualität:
Es zieht diese männlichen Katzen auf den Spuren Casanovas zu immer neuen Sensationen des Sinnesrausches, zu exotisch-erotischen Zielen, und besonders in ländlicher Umgebung bietet sich wohl vielfältige Gelegenheit für allerlei Ausschweifung, wie zahlreiche dümmlich-ländlich-unsittliche Reime belegen:

Treibt es der Kater mit der Henne dann applaudiert die ganze Tenne.
Treibt es der Kater mit dem Rind ist es sicher, dass er spinnt.
Treibt es der Kater mit der Sau so wundert sich die Bauersfrau.
Treibt es der Kater mit dem Puter bedankt sich dieser: »Geil, mein Guter!«
Treibt es der Kater mit dem Eber greift's Bäuerlein den Wagenheber.
Treibt es der Kater mit dem Pflug so ruft der Bauer: »'s ist genug!«
Treibt es der Kater mit der Ente zahlt er nachher Alimente.

Aber auch in der Stadt leidet der sexuell überaktive Kater keineswegs unter Mangel an Sex-Objekten, auch wenn sich daraus nur höchst mangelhafte Reimgebilde anfertigen lassen:

Treibt es der Kater mit der Kehrmaschine, macht die Stadtreinigung dazu keine gute Miene.
Treibt es der Kater mit dem Fahrkartenautomaten, dann müssen alle Fahrgäste warten.

Ziemlich daneben, was? Gut, lassen wir die letzten beiden dummen Sprüche also besser weg.

Ägypten
Das historische Katzenparadies, in dem Katzen noch ihren angestammten Platz in der Gesellschaft hatten: ganz oben, als Götter.

Alf
Völlig pervertierter krimineller Katzenfresser, mit dem völlig pervertierte Fernsehzuschauer ihre Zeit verschwenden.

Angeln
Lieblingssport von Katzen, am liebsten im -> Aquarium: Der verliebte Kater angelt seiner Angebeteten gewöhnlich einen Goldfisch.

Aquarium
Angelfischbehälter, den Menschen freundlicherweise für Katzen aufstellen.

Ausstellung
Eigentümliche Versammlung, bei der Zweibeiner ihre Rassekatzen exhibitionieren; erotisch ohne jeden Wert.

Auto
Für verliebte Katzen oft tödliches Verkehrsmittel des Menschen.

Badewanne
Katzenhorror Nr. 1 - Menschen sind ständig der Meinung, sie müssten Katzen baden. Dabei hat nur die natürlich parfümierte Katze Chancen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten.

Buckel
Drohgebärde von Katze oder Kater nicht nur gegenüber unerwünschten Bewerbern um die Liebesgunst.

Dosenfutter
Widerlicher Fast-Food-Mäuse-Ersatz, der Kater auf Dauer impotent macht.

Erkennungskuss
Die sanfte Art, mit der Katzen sich zu begrüßen pflegen; der E. dient zugleich der Feststellung, ob man einander riechen kann

fauchen
a) Drohgebärde einer aggressiven Katze oder
b) ablehnender Bescheid einer weiblichen Katze an einen absolut behämmerten Kater, der es sonst nicht rafft, dass er unerwünscht ist

Fisch
Zugleich Nahrung und sexuelles Stimulans für Katzen; ausreichende Fischmengen beflügeln die Fantasie von Katzen und stacheln sie zu Höchstleistungen an.

Futternapf
Der Ort, an den Menschen zwanghaft das Futter für Katzen ablegen müssen; Katzen brauchen keinen F., sie essen immer und überall.

Haustier
Für uns Katzen diskriminierende Bezeichnung aller mit den Menschen in Häusern lebender Tierarten; diskriminierend insofern, als er uns hyperintelligente und ultrasensible Katzen mit bescheuerten Hunden, dumpfen Goldhamstern, glitschigen Aquarienfischen und verschrumpelten Schildkröten in einen Topf wirft - und das geht ja wohl nicht.

Hund
Völlig überflüssiger, dummbeuteliger, lauter, autoritätsgläubiger Nahrungskonkurrent mit schlechten Manieren und nervösem Schwanz.

Kaninchen
herum hoppelndes Nahrungsmittel.

Kastration
Der untaugliche Versuch der Menschen, das Streben der Katzen nach Weltherrschaft medizinisch zu unterbinden.

Kater
Das kraftstrotzende Urbild der männlichen Katze an sich.

Katergesänge
Die unerträglich schönen Jammerarien der verliebten männlichen Katze in einer lauen Vollmondnacht, die schon so manche Katze schwach gemacht haben.

Katerkämpfe
Biologische Belastungstests für vermehrungswillige männliche Katzen, bei denen die Krallen gezückt und die Zähne gebleckt werden, so dass die Fetzen fliegen.

Katze
Das Urbild der glutäugigen, sanften weiblichen Katze, das jeden Kater in das Reich der feuchten Träume schickt.

Katzenkorb
Der untaugliche Versuch des Menschen, uns Katzen einen -> Sessel bzw. ein -> Sofa mit einem billigen Primitivmöbel aus der Tierhandlung zu ersetzen.

Krallen
Universalgerät der Katze; dienen als
a) Jagdwaffe
b) Essbesteck
c) Hygienehilfsmittel und
d) Antwort der weiblichen Katze auf ungezogene Jungkater, die es eh nicht bringen.

kratzen
Äußerst wirksame Methode einer Katze,
sich a) ihrer Haut zu wehren und
sich b) erotisch interessant zu machen.

Leine
a) genau das richtige Werkzeug, um fiese Köter kurz zu halten, aber
b) das allerletzte Folterinstrument für Katzen.

Liebesschrei
Der unvergleichliche Schrei der Lust, den weibliche Katzen im Moment der Vereinigung ausstoßen; ein gekonnt vorgetragener Liebesschrei in lauer Sommernacht bringt altersschwache Gebäude zum Einsturz, Nerven zum Zerreißen und geht ganzen Stadtvierteln einer Großstadt durchs kollektive Mark und Bein. Auf jeden Fall weiß im Umkreis von drei Kilometern jeder Bescheid: Hier werden neue Katzen gemacht.

maunzen
Besondere, tief tönende Variante des »Miau!« mit erotischem Flair, die sowohl Katze als auch Kater verwenden.

Maus
Sportlich motivierendes Nahrungsmittel oder nahrhaftes Sportgerät mit erotisch stimulierender Wirkung.

miauen
Nichts weiter als die Aussage: »Hier bin ich, und ich bin eine Katze!«

MMM (»Muschis midnight meetings«)
Internationale Katzentreffen um Mitternacht in allen Großstädten der Welt.

Milch
Vom Menschen künstlich knapp gehaltenes Nahrungs- und Genußmittel für Katzen; der Schnurrmotor der Katzen läuft auf Milch.

Nacht
Die Tageszeit, in der alle Menschen grau sind.

Pfote
Die Extremität, mit der wir Katzen die Sache in die Hand nehmen; Katzenpfoten können sehr sanft sein, aber auch ziemlich hart zuschlagen.

Ratte
Ziemlich widerspenstige Katzen-Vollwertkost

rollig
In der richtigen Stimmung zur Vermehrung sind weibliche Katzen zwei Mal im Jahr; Kater können immer. Eine rollige Katze ist erotisch so ziemlich zu allen Schandtaten bereit.

schnurren
Geräusch, das bei Katzen Wohlgefühl und innere Ruhe signalisiert; da Menschen nicht mehr wissen, was innere Ruhe bedeutet, schnurren sie nicht.

Schnurrhaare
Zugleich schmückende und praktische Gesichtsbehaarung von Katze und Kater, die zur Distanzmessung im Dunklen dient.

Schwanz
Das hintere Ende einer Katze, das zum Ausdruck von erotischen Emotionen dient.

Sessel
Schlafplatz für Katzen; auch ideal zum Krallenschärfen; für Menschen an sich völlig ungeeignet, aber dennoch immer wieder verwendet.

Sofa
s. --> Sessel.

spritzen
Erotische Kunstform des Urinierens beim sexuell aktiven Kater.

Teppich
Vom Zweibeiner zur Verfügung gestellte, relativ angenehme Katzen-Unterlage zum Schlafen und für Liebesspiele.

Tierarzt
Vom Irrglauben, er könne Katzen heilen, besessener Mensch; echte Katzen werden nicht krank.

Trockenfutter
Widerlicher, staubiger Fraß, der auch als angefeuchteter Pamps nicht besser schmeckt; Menschen sind der Meinung, Katzen lieben T.; dieser Irrtum ließe sich schnell beheben, wenn sie mal probieren würden.

Ungeziefer
Parasitäre Insekten und sonstiges Getier, das immer wieder vom schmutzigen Menschen auf blitzsaubere Katzen überspringt; Gegenmaßnahmen: Zwingen Sie Ihren Zweibeiner dazu, sich a) häufiger zu waschen oder b) ein Flohhalsband zu tragen.

Vögel
Flugfähige Leckerbissen für Katzen.

Zähne
Universell zu verwendende Beißwerkzeuge, die die Katze gelegentlich dem Kater zeigt.

Zunge
Katzen-Universalgerät zur Nahrungsaufnahme, Fellpflege usw.

Zungenkuss
Bei Katzen unübliche, menschliche Zudringlichkeit.


Und Minz und Maunz, die Katzen
erhoben ihre Tatzen...
(H. Hoffmann, Struwwelpeter)

Alles für die Katz'.
(Redensart)

My home is my cat-stle.
(Sinnspruch)

Lass die Katze laufen,
der Kater kriegt sie doch.
(Volksweisheit)

Erst schmeicheln, dann kratzen,
schickt sich für Katzen.
(Sprichwort)

Katzendreck gedeiht nicht.
(Sprichwort)

Raum ist in der kleinsten Kammer,
für den größten Katzenjammer.
(Sprichwort)

Für eine Nacht voll Seligkeit,
da geb ich alles hin,
denn ich verspritz' zuviel Urin,
wenn ich in Stimmung bin.
(Klagelied eines zur Kastration vorgesehenen Katers)

Je älter der Kater,
desto steifer der Schwanz.
(Sprichwort)

Das geht wie's Katzenmachen.
(Redensart)

Ein Kater schnurrt wie der andere.
(Kätzinnen-Weisheit)

Love calls you by your name.
(Leonard Katz-Cohen)

Wenn der Schwanz erst steht,
ist der Verstand im Arsch.
(Carlos Catzone, Kölner Szene-Kater)

Das trägt die Katze auf dem Schwanze fort!
(Redensart)

I'm a wild one!
(Billy Maunz-Idol, Kater)

Vertan! sprach der Hahn,
als er von der Ente kam.
Egal, sprach Kater Karl
machen wir's doch noch einmal!
(Ländliche Sexualweisheiten)